Die im letzten Beitrag erwähnten 3 Meisterteile werden nicht alle nacheinander erarbeitet und geübt, sondern durchaus durcheinander. Daher ist mein Möbel auch noch nicht vollständig fertig, aber ist inzwischen eine ziemlich solide Idee und es wird „nur noch“ die Herstellung geübt und kleine Details angepasst.

Ich hatte viele verschiedene Ideen, aber um dem „meisterlichen Anspruch“ gerecht zu werden, sollten Bauteile wie z.B. ein dreidimensionaler Bogen eingearbeitet sein und auch gewisse statische Ansprüche erfüllen. Ein Sitzmöbel ist daher recht naheliegend und am häufigsten gewählt. Reines Sitzen ist für mich persönlich aber nicht sehr attraktiv, daher habe ich einen Schaukelhocker entworfen aus Rattan, genauer ungeschältem Manau. Beflochten wird die Sitzfläche mit einer sogenannten Stäbung. Hier die Bilder meines ersten Prototyps, der handwerklich alles andere als ausgearbeitet ist, aber wie gesagt, solide Basisarbeit und nun noch Zeit und Detailliebe.

Möbelbau im Flechthandwerk heißt häufig, Rattanmöbelbau. Es gibt verschiedene Arten von Rattan, die hierfür genutzt werden können, Manau (Calamus manan) wird sehr oft genommen. Rattan-Pflanzen sind Kletterpalmen, die am häufigsten für Flechtzwecke aus Südost-Asien und den dortigen Dschungeln stammen. Sie können unfassbar lang werden und die Stangen, wie ich sie hier z.B. verwende, haben im deutschen Handel Längen von 2,5-4m – ganz grob. Mit Schale ist es schwieriger diese Stangen zu biegen, aber dafür halten sie danach besser die Form. Ohne Schale leichter zu biegen, gehen schnell wieder aus der Form raus, aber können dafür wiederum gebeizt, gefärbt usw werden.

Das Biegen funktioniert in diesen Stärken mit Hitze, manchmal zusätzlich auch Wasser; man könne sie also auch in einen Dampfofen legen und die heißen Stangen dann über Formen ziehen. Häufig jedoch nimmt man sich hier Gasflammen zur Hilfe; die Flamme kann gezielter eingesetzt werden und man hat weniger Vorbereitungszeit. Das aber erfordert Aufmerksamkeit (Unfallgefahr und Verbrennung des Materials), Geduld (das gebogene Teil muss in der Position gehalten werden bis es erkaltet ist) und Kraft (je nach Durchmesser des Materials und den stangenspezifischen Eigenschaften kann es sehr kraftraubend sein, die Stangen in die gewünschte Biegung zu bringen – und zu halten bis zum erkalten).

Das Korbrohr kann dagegen in Wasser geweicht werden, nach einem halben Tag in kalten Wasser ist es oft schon einsatzbereit. Auch Korbrohr ist eine Rattanpflanze, eben in geringerem Durchmesser.

Der Hocker lässt sich auf zwei Arten nutzen: man kann sich sowohl quer als auch längs drauf setzen und ist vor allem zum arbeiten gedacht, bei eher ruhigen Tätigkeiten wie z.B. Computernutzung. Hier kommt durch die leichte Rundung unten stets eine kleine Bewegung in den Körper, Verkrampfungen werden vermieden und die Mikrobewegung führt zu einem entspannteren Rücken. Und der Seele tut es auch gut, wenn nach getaner Arbeit noch eine kleine Vergnügungsrunde geschaukelt wird 🙂

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