Wie schon viele wissen, habe ich mich in meinem Größenwahnsinn und ohne Not entschlossen, auch den Meistertitel zu erwerben. Warum ohne Not? Das Flechthandwerk ist vor einigen Jahren, wie viele andere Handwerke auch, von der Meisterpflicht befreit worden. Dies war ein Versuch, dem. Handwerkermangel zu begegnen und auch Selbständigkeit im Handwerk zu fördern. Handwerke, die der Meisterpflicht unterliegen, dürfen nur mit Meistertitel Betriebe führen – entweder hat der Inhaber selbst den Meistertitel oder er stellt einen Meister ein. Ein paar Jahre später schon wurde zurückgerudert und viele Handwerke unterliegen nun erneut der Meisterpflicht. Auch für die Korbmacher bzw. Flechtwerkgestalter war dieser Schritt in der Diskussion – den aber ohnehin wenigen Absolventen und Lernenden dieses Handwerks sollte es aber nicht weiter erschwert werden, sich selbstständig zu machen (im übrigen fast immer zwangsläufig der Weg, wenn man beruflich flechten möchte). Man befürchtete, diesem selten gewordenen Handwerk endgültig den Todesstoß damit zu geben. Kurzum: es gab nie eine Notwendigkeit für mich, den Meistertitel zu erwerben. Aber ich bin wissbegierig und fordere mich gerne heraus. Und bisher bereue ich es eigentlich nicht – trotz aller Anstrengung.

Deutsche Meisterausbildungen bestehen aus 4 Teilen: der Fachtheorie, der Fachpraxis (also jeweils das spezifische Handwerk betreffend) und dann gewerkübergreifend die „Ausbildung der Ausbilder“, kurz AdA sowie „Fachfrau/-mann für kaufmännische Betriebsführung (HwK)“, kurz FkB.

Die letzten zwei habe ich schon erfolgreich bestanden. Seit Anfang Dezember 2025 bin ich in der Vorbereitung für die Fachteile. Jede Meisterprüfung hat es auch entsprechend in sich.

Für uns Flechter bedeutet das:

-3 Arbeitsproben: in jeweils vorgegebener Zeit (1-1,5h) müssen drei verschiedene vorgegebene Sachen geflochten bzw. gebogen (Möbelbau mit Rattan) werden

-3 Meisterstücke: in jeweils 3 Tagen müssen 3 selbst gestaltete und geplante Stücke geflochten bzw gebaut werden (eine geflochtene Truhe mit mind. 80cm Länge und Würfelgeflecht mit Deckel; ein (Sitz)Möbel aus Rattan mit dreidimens. Bogen, Beflechtung und Oberflächenbehandlung; ein freies Stück, das außer dem flechterischen Anspruch recht frei ist)

-Theorieprüfung mit Fragen zu Techniken, Materialkunde, Berechnungen etc.

-detailierte Technische Zeichnung mit Drei-Tafel-Ansicht, meist das Möbelbau-Meisterstück

-mündliche Prüfung

Ich persönlich hab ordentlich Bammel davor und die Tatsache, dass ich mir das – ich wiederhole mich – ohne Not „antue“, hilft da nicht. Leider habe ich ziemlich große Prüfungsangst. Das hat mich zwar noch nie davon abgehalten, etwas zu machen, was ich möchte. Aber ich blockiere mich dann häufig selbst und bleibe weit unter meinen eigentlichen Leistungen. So war es auch in der Abschlussprüfung zur Flechtwerkgestalterin. Ich hatte plötzlich Fehler gemacht, die ich sonst nie gemacht hätte. Es hilft nichts, ich werde mich durchbeißen, natürlich werde ich das. Es hilft ja schon, dass ich weiß, dass es nicht an meinen Fähigkeiten liegt, wenn ich etwas zu einer Prüfung nicht abliefern kann.

Ich habe durchaus Ansprüche an meine Stücke für die Meisterprüfung und hoffe, dass die Prüfer das ähnlich sehen. Aber das Ziel ist ganz klar: bestehen. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn es nicht sofort klappt, geht die Welt vermutlich auch nicht unter.

Ich werde die jeweiligen Meisterstücke und Arbeitsproben, bzw. die Vorbereitung dergleichen hier auch wieder beschreiben und mit allen Interessierten teilen, also gerne wieder vorbeischauen 🙂

Ich wünsche allen ein gutes neues, erfolgreiches und vor allem GESUNDES neues Jahr!

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One response to “Meisterei”

  1. […] erzählte bereits, dass für die Meisterprüfung u. a. drei Meisterstücke geflochten werden müssen und über das Möbel hatte ich beim letzten Mal […]

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